Umprägung der Siedlungsstruktur durch Suburbanisierung

Mit der allgemeinen Verbreitung des Automobils seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts, welches - im Unterschied zu den linienhaft wirkenden schienengebunden Verkehrsträgern - ubiquitäre individuelle Mobilität für den größten Teil der Bevölkerung in den Industrieländern bzw. für eine Oberschicht in den unterentwickelten Staaten der Welt erlaubte, entwickelten sich drei bislang eher deckungsgleiche Erscheinungsformen des Raums immer stärker auseinander:

  • der physische Raum, als dreidimensionaler Bezugsraum und Basispotential für unbelebte und belebte Objekte und deren räumliche Veränderung,
  • der subjektive Raum, der auf Basis des physischen Raumes erlebt wird und durch individuelle Wahrnehmung im Kopf jedes einzelnen Menschen als bewertetes Vorstellungsbild seiner Umwelt entsteht und
  • der soziale Raum, der als Netzwerk von Beziehungen der Menschen untereinander den physischen Raum überlagert.

Parallel entstanden neue, außerhalb der Stadtgrenzen liegende, aber mit der Stadt funktional verbundene m.o.w. "städtische" und daher als suburban bezeichnete Wohn- und Siedlungsformen, deren Ausgangspunkt häufig die Stadterweiterungen vom Ende des 19. Jahrhunderts waren.

Verkehrsmittelverbreitung

Quelle: WORTMANN, W.: Wandel und Kontinuität der Leitvorstellungen in der Stadt- und Regionalplanung, Berichte z. Raumforsch. u. Raumpl. 1985, S. 20-25. (bearbeitet)

Die Verlagerung städtischer Funktionen und die Veränderung der räumlichen Erschließung des "ländlichen" Raums werden heute zumeist mit dem Begriff Suburbanisierung zusammengefaßt. Darunter wird die
"Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der Kernstadt, dem ländlichen Raum oder anderen metropolitanen Gebieten in das städtische Umland bei gleichzeitiger Reorganisation der Verteilung von Nutzungen und Bevölkerung in der gesamten Fläche des metropolitanen Gebietes" (FRIEDRICHS, 1995)
verstanden.
Suburbanisierung ist demnach mehr als die Expansion der Stadt in ihr Umland (wie in vergangenen Epochen der Stadtentwicklung) sondern zugleich ein Prozeß der Dekonzentration von Bevölkerung, Produktion, Verwaltung und Handel.

Diese Umschreibung von Suburbanisierung setzt zunächst die Definition folgender Begriffe voraus:

Ausgehend von einer Stadt und der mit ihr funktional verknüpften umgebenden Region (vgl. Ergänzungsgebiet), bezeichnet der Begriff Kernstadt die eigentliche Stadt, d.h. die durch administrative Grenzen definierte Stadtregion, der Begriff städtisches Umland oder suburbaner Raum dagegen den m.o.w. breiten Saum um eine Kernstadt, der aufgrund enger Verflechtungen (z.B. hohe Zahl der Berufspendler) funktional zur Stadt gerechnet werden muß, jedoch außerhalb der vorhandenen administrativen Stadtgrenzen liegt. Die Gesamtheit dieser beiden Raumeinheiten (für die es im internationalen Sprachgebrauch unterschiedliche Bezeichnungen gibt) wird als metropolitanes Gebiet bezeichnet.

Als ländlicher Raum wird der Bereich außerhalb der Stadt bezeichnet, der funktional nicht oder jedenfalls in nur geringem Umfang mit der Kernstadt verknüpft ist.
Die Definition von Stadtgrenzen basiert häufig auf überkommenen historischen Festlegungen. Die nach Verwaltungsgrenzen bestimmte Stadt ist daher häufig unterbegrenzt und Teile des städtischen Gebiets gehören rechtlich zu anderen Gemeinden.

Beim Versuch, eine Stadt nach ihrer tatsächlichen Ausdehnung im Raum zu definieren, entsteht das Problem, ein geeignetes Merkmal (z.B. Bevölkerungsdichte, Arbeitsmarktstruktur, zusammenhängende Siedlungsfläche, Verkehrsaufkommen) für die Abgrenzung zu finden. Diese Abgrenzung ist nicht nur für die Beschreibung des Phänomens der Suburbanisierung bedeutsam, sondern hat für die meisten Städte eine ganz praktische Bedeutung, da bei stagnierender oder abnehmender Bevölkerung und einem begrenzten Steueraufkommen Dienstleistungen wie z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Bildungseinrichtungen, Polizei etc. für in manchen Fällen Hunderttausende von Pendlern bereitgestellt werden müssen, die die Verwaltungsgrenzen täglich überschreiten. Ein extremes Beispiel ist Sydney in Australien (HAGGETT, 1991), wo 1975 die Verwaltungsstadt nur 58.000 Einwohner zählte, während die überbaute Fläche insgesamt 2.898.000 Einwohner aufwies (Verhältnis 1:50).
Schon immer lagen bestimmte städtische Nutzungen (z.B. stadteigene Ländereien, Friedhöfe) außerhalb der eigentlichen Stadt bzw. waren Funktionsverflechtungen zwischen Stadt und Umland vorhanden. Dennoch waren Abgrenzungen des Stadtgebietes, das mitunter im Zeitverlauf Veränderungen unterworfen war, vor der Industrialisierung und dem Aufkommen von Massenverkehrs- und -kommunikationstechnologien eindeutig und einfach möglich.


Quelle: Raumordnungsbericht 1998, Gem. Landesplanung Berlin-Brandenburg, S. 221 (bearbeitet)
Die funktionale Verflechtung zwischen Kernstadt und Umland wird i.d.R. über den Anteil von Auspendlern aus einer Umlandgemeinde (engl: Suburb) in die Kernstadt definiert. Schwierigkeiten bei der Messung von Verflechtungen treten auf, wenn sich die Größe der Umlandregionen zwischen zwei zu untersuchenden Zeitpunkten verändert. Hält man beispielsweise das Kriterium eine Gemeinde gehört dann zum Umland, wenn 75% der erwerbsfähigen Bevölkerung in die Kernstadt auspendelt konstant, dann könnten Probleme der Vergleichbarkeit auftreten falls die suburbane Zone sich verändert: Es könnten durch zunehmende Suburbanisierung Arbeitsplätze in den Gemeinden des suburbanen Raumes entstehen, so daß der Anteil der Auspendler in die Kernstadt sinken würde. Die Gemeinden würden ab einem bestimmten Punkt nicht mehr zum suburbanen Raum gerechnet werden können, da die Verflechtung mit der Kernstadt sehr gering ausgeprägt ist oder fehlt.
Wenn andererseits in einer nicht zum städtischen Umland gehörenden Gemeinde ein nennenswerter Anteil der Bevölkerung (z.B. aufgrund Arbeitsplatzabbaus eines lokalen Wirtschaftszweiges oder Zuzugs von Bevölkerung aus der Kernstadt) hinzukommt, der in die Kernstadt auspendelt, würde diese Gemeinde neu in die Betrachtung miteinbezogen werden müssen.

Um Suburbanisierung untersuchen zu können, muß eine eindeutige und im Zeitverlauf konstante Definition von städtischen Raumeinheiten vorgenommen werden. In den USA wurde dazu 1960 die Standard Metropolitan Statistical Area (SMSA) eingeführt; in Deutschland wurden Anfang der 50er Jahre von O. BOUSTEDT "Stadtregionen" abgegrenzt, die über eine Mindestbevölkerungsdichte, das Verhältnis Einwohner-/Arbeitsplatzdichte, einem Maximalwert für landwirtschaftlich Tätige und einem Mindestanteil von Pendlern definiert wurden. Innerhalb einer Stadtregion (agglomeration, conurbation, metropolitan area) werden gewöhnlich vier Teilräume unterschieden:

  1. Kerngebiet:
    1. Kernstadt
    2. Ergänzungsgebiet
  2. Umlandzonen:
    1. verstädterte Zonen
    2. Randzonen

Für die empirische Forschung wird also eine einmal getroffene Abgrenzung zwischen Stadt und Umland beibehalten, um Vergleiche innerhalb einer Zeitreihe anstellen zu können. Neben den Stadtregionen Boustedts und den SMSA, gibt es es in der Bundesrepublik Deutschland einige spezielle Abgrenzungen großer Ballungsräume, z.B. die Region Hamburg (Hamburg und 6 angrenzende Landkreise bzw. Hamburg plus Umkreis von 40 km), oder die Regionen Mittlerer Neckar und Rhein-Main.


Welche Aspekte machen Suburbanisierung zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung?

Der Prozess der Suburbanisierung, also der Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der Kernstadt und dem ländlichen Raum in das städtische Umland sowie der Veränderung der Organisation von Verteilungen und Nutzungen, wird aus verschiedenen Gründen untersucht. Aus Sicht der Planer sind alle Fragen von großer Wichtigkeit, die eine gemeinsame Planung für Kernstadt und Umland erfordern (z.B. Infrastruktureinrichtungen), aus Sicht der Stadtkämmerer/Finanzabteilungen die Konkurrenz der Gemeinden um das Steueraufkommen der Berufstätigen und Gewerbebetriebe und aus Sicht des Umweltschutzes schließlich alle Fragen, die eine nachhaltige Nutzung natürlicher Resourcen betreffen.
Nach der Wiedervereinigung hat der schlagartig einsetzende Prozess der Suburbanisierung in den "neuen" Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland das Interesse der Forscher in besonderem Maße geweckt. Hier zeigten sich neben einer größeren Dynamik zusätzlich abweichende Typen der Suburbanisierung.
Wanderungsschema
Quelle: DANGSCHAT, J. (1997) in: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland, Pilotband, IFL, S. 58 (bearbeitet)
Wanderungssalden
Quelle: HERFERT, G. (2001) Stadt-Umland-Wanderungen nach 1990, in: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland, Band 4, IFL, S.116 (bearbeitet)

Kernfragen bei der Beschäftigung mit Suburbanisierung sind insbesondere folgende
  • Die ungleiche Verteilung von Belastungen der öffentlichen Infrastruktur geht im allgemeinen zu Ungunsten der Kernstadt aus, die häufig ganz erhebliche Leistungen (auch) für das Umland erbringt, ohne dafür einen finanziellen Ausgleich zu erhalten, obwohl Umlandgemeinden oft ein relativ höheres Steueraufkommen haben.
  • Der Verlust an Zentralität und Bevölkerung führt in der Kernstadt häufig zum
    1. Verlust an Arbeitsplätzen,
    2. Veränderung der Einzelhandelsstruktur,
    3. Segregation marginalisierter Bevölkerungsgruppen insbesondere im Innenstadtrandbereich (siehe: Chicagoer Schule / zone of transition)
  • Soziologisch bedeutsam ist zudem die mit der Suburbanisierung der Bevölkerung verbundene Segregation von Bevölkerungsgruppen, die in Tabelle 1 deutlich abgebildet wird.

Hauptakteure der Wohnsuburbanisierung sind jüngere Menschen, insbesondere junge Familien, wie die beispielhafte Altersstruktur der folgenden Graphik zeigt:
Altersstruktur

Tabelle 1
Merkmal
Region Einwohner 1970 Einwohner 1987 Veränd.
1970-87
in %
1987 in % 1987 abs.
bis 18 Jahre 60 Jahre u.
darüber
1-Pers.-
Haush.
4+-Pers.-
Haush.
Fach. u.
Hoch-
schüler
Aus-
länder
Haus-
halte
Bremen Kernstädte
Umland
Region
778.848
437.233
1.216.081
745.676
490.291
1.235.967
-4,3
12,1
1,6
16,2
19,8
17,6
22,8
19,1
21,3
40,5
22,0
34,3
14,3
29,2
19,3
17,5
12,1
15,4
6,1
1,9
4,4
359.587
180.414
540.001
Frankfurt a.M. Kernstadt
Umland
Region
959.905
1.592.712
2.552.617
863.924
1.789.168
2.653.092
-10,0
12,3
3,9
14,8
18,5
17,3
22,7
19,0
20,2
48,0
28,3
35,8
11,3
21,5
17,6
24,5
18,3
20,3
18,6
9,0
12,2
453.837
741.595
1.195.432
Hamburg Kernstadt
Umland
Region
1.793.823
984.244
2.778.067
1.592.770
1.170.190
2.762.960
-11,2
18,9
-0,5
14,9
19,0
16,6
24,0
18,9
21,8
46,7
28,0
35,9
10,9
22,1
15,0
21,5
15,1
18,7
9,3
3,1
6,7
827.042
480.615
1.307.657
Köln Kernstadt
Umland
Region
1.157.982
557.622
1.715.604
1.083.001
649.493
1.732.494
-6,5
16,5
1,0
16,2
19,0
17,3
20,1
18,2
19,4
43,2
25,8
37,5
13,3
22,7
16,4
21,2
18,1
20,0
13,5
6,8
11,0
536.182
263.527
799.709
München Kernstadt
Umland
Region
1.293.599
710.338
2.003.937
1.185.421
939.702
2.125.123
-8,4
32,3
6,0
13,4
19,3
16,0
21,2
17,1
19,4
50,2
27,6
41,9
9,3
23,5
14,5
26,1
20,0
23,4
15,1
6,1
11,1
652.904
377.347
1.030.251
Stuttgart Kernstadt
Umland
Region
633.158
1.641.600
2.274.758
551.904
1.809.508
2.361.412
-12,8
10,2
3,8
15,1
19,8
18,7
22,2
17,6
18,7
47,1
30,0
34,7
13,2
23,4
20,6
23,4
15,6
17,4
17,7
11,9
13,3
283.561
749.449
1.033.010
Quelle: Friedrichs, 1995:107


Formen der Suburbanisierung

Es lassen sich drei Dimensionen von Suburbanisierung unterscheiden, hier in der typischen zeitlichen Reihenfolge ihres Auftretens aufgeführt:

  1. Suburbanisierung von Produktionsstätten (sekundärer Sektor),
  2. Suburbanisierung von Bevölkerung und
  3. Suburbanisierung von Handel und Dienstleistungen (tertiärer Sektor).

Für die Verlagerung der Einrichtungen bzw. Bevölkerung in das Umland einer Stadt gibt es einige gemeinsame, aber auch eine Reihe unterschiedlicher erklärender Faktoren:

Ein allgemeingültiger Erklärungsansatz für die drei genannten Prozessen ist die Verfügbarkeit größerer, zusammenhängender und preiswerter Flächen außerhalb von Städten. Diese Flächen ermöglichen den Gewerbebetrieben neuere oder billigere Produktionsformen und den Privathaushalten eine Verbesserung ihrer Wohnungsversorgung und zumeist auch ihres Wohnumfeldes. Voraussetzung für eine Verbesserung sind jedoch ausreichende Verkehrsanbindungen, i.d.R. die Erschließung für den motorisierten Individualverkehr (MIV). Gerade die enorme Zunahme des Motorisierungsgrades (vgl. Abb. 4) der Bevölkerung in der Bundesrepublik hatte einen unverkennbaren Einfluß auf den Grad der Suburbanisierung in Deutschland. Nicht übersehen werden darf - gerade in jüngster Zeit - der Einfluß moderner Kommunikationstechnologien (Fax, Online-Medien und -Technologien). Abb.4
Abb. 4: Entwicklung des PKW-Bestandes in der Bundesrepublik,
Quelle: Statistisches Bundesamt

Mit der zunehmenden Verflechtung von Kernstadt und Umland bzw. der Verlagerung von städtischen Funktionen verwischen die Grenzen zwischen Stadt und Umland und einzelnen Ortsteilen im Umland immer mehr. Extreme Dezentralisierungs- bzw. Agglomerationstendenzen sind entlang der "Rheinschiene-Süd" und im "Rhein-Main-Gebiet" zu beobachten.

Als Gründe für die Suburbanisierung von Produktionsbetrieben kommen vor allem fehlende Expansionsmöglichkeiten im Innenstadtbereich (Fläche, Einschränkungen aufgrund von Emissionsbelastungen, Bestandsschutz ohne Erweiterungsmöglichkeit, mangelhafte Verkehrsanbindung...) und die Einführung von neuen Produktionstechnologien in Frage. Neben (stadt)planungsbedingten Restriktionen sind es in erster Linie die Grundstückspreise, die eine Expansion im Kernstadtbereich behindern. Bei der Wahl eines neuen Standortes muß dabei ein Kompromiß bei der Standortwahl eingegangen werden: Einerseits muß der Standort weit genug in den suburbanen Raum verlagert werden, um eine ausreichende Senkung der Bodenkosten zu bewirken, die die z.T. höheren Produktionskosten überkompensiert (vgl. ALONSO), andererseits darf der Standort nicht so weit ausgelagert werden, daß die bisherige Belegschaft bzw. das Arbeitskräftepotential der Kernstadt verloren geht. Abb.5
Abb. 5: Modell zur Beschreibung des Suburbanisierungsverlaufs,
Quelle: Friedrichs, 1983:180, verändert

Die Suburbanisierung der Bevölkerung kann überwiegend als Reaktion auf die Bedingungen des lokalen Wohnungsmarktes einer Kernstadt verstanden werden. Dabei werden bei der Suche nach einem neuen Wohnstandort mehrere Faktoren gegeneinander abgewogen (vgl. Probabilistisches Wanderungsmodell), die ausgehend von einer Wohnungssuche zunächst im Kernstadtbereich, letztendlich einen Wohnstandort im Umland als vorteilhafteste Lösung erscheinen lassen.
Die Bevölkerungssuburbanisierung erfaßt nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen, vielmehr sind es überwiegend Familien mit (kleineren) Kindern, die bei der Abwägung der verschiedenen Faktoren für die Wahl eines Wohnstandortes, vor allem die Relation zwischen Wohnfläche und Preis/Miete und negative Wohnumfeldeindrücke im Stadtbereich hoch gewichten und sich damit bevorzugt im Stadtumland ansiedeln. Meist sind es Veränderungen im Sozialstatus oder Lebenszyklus, die als Auslöser für die Bevölkerungssuburbanisierung fungieren. Empirische Studien zeigen, daß die in die Suburbs drängenden Familien zumeist eine größere Wohnfläche bei einer geringeren monatlichen Belastung, ein besseres Wohnumfeld und (häufig) steuerbegünstigtes Eigentum besitzen. Nicht nur die absoluten Belastungen (Miete, Pacht etc) waren hier günstiger auch deren Steigerungsraten lagen verglichen mit der Kernstadt deutlich niedriger.

Suburbanisierungsprozesse des Handels verlaufen für die Sparten Groß- und Einzelhandel unterschiedlich. Während die Standortentscheidungsprozesse für den Großhandel mit denen des Produktionsgewerbes weitgehend vergleichbar sind und zumeist eng mit der Verlagerung industrieller Produktionsstätten verknüpft sind, ist für den Einzelhandel neben der Verfügbarkeit preiswerter Gewerbeflächen auch das Vorhandensein einer ausreichend großen Nachfragergruppe, mithin eine Suburbanisierung von Bevölkerung bedeutsam, damit die Konkurrenz von Einzelhandelsbetrieben in der Kernstadt weniger ausgeprägt ist (Agglomeration/Deglomeration).
Charakteristisches Indiz für die Einzelhandelssuburbanisierung sind die Einkaufszentren im Umfeld großer Städte, die zumeist eine typische Branchenstruktur aufweisen (z.B. die Kombination: Möbelhaus, Supermarkt, Baumarkt).

Zusammenfassung

Suburbanisierung wird als charakteristischer Teil eines als zyklisch angenommenen Veränderungsprozesses der Siedlungsstruktur der frühindustrialisierten Staaten angesehen. Nach den Annahmen für einen idealtypischen Verlauf ist der Prozeß der Suburbanisierung heute größtenteils abgeschlossen und wurde durch die Prozesse der Des-/Counter-Urbanization (v.a. in den USA) und Re-Urbanisation (nach Sanierung von Innenstadtgebieten) abgelöst. Dieses idealtypische zyklische Schema zeigt Abb. 6.
Die im Modell ausgewiesenen Zyklen lassen sich jedoch nicht immer nachweisen. Für die Bundesrepublik läßt sich beispielsweise die Phase der Des-/Counterurbanisation nicht belegen. Aktuelle Prognosen zur Raumwirksamkeit zukünftiger Informations- und Kommunikationstechnologien (I&K) sagen einen Trend zur Desurbanisierung auch für die Bundesrepublik voraus. Andere Autoren gehen im Gegenteil von einem Konzentrationsprozeß und dem Gewinn an Zentralität für einige, wenige "global cities", also einem Reurbanisierungsprozeß aus.
Abb. 6
Abb. 6: Verlauf der siedlungsstrukturellen Veränderung

[cb]


Literatur zu diesem Kapitel: