Die Bevölkerung in städtischen und ländlichen Siedlungen ist durch verschiedene
Merkmale der Ungleichheit gekennzeichnet. Je nach Größe einer Siedlung und der
Anzahl ihrer Einwohner lassen sich Gruppen von Personen unterscheiden, die bezüglich
eines Merkmals (z.B. Alter, Ethnizität, Religion) einheitlich sind, sich von weiteren Gruppen
aber unterscheiden.
Auch die Lagegunst und Ausstattung von Wohnstandorten in Siedlungen ist nicht einheitlich.
Häufig ist ein Zusammenhang zwischen Wohnstandort und dem Status
der dort ansässigen Bevölkerung zu beobachten. Der Zusammenhang zwischen Status und
Verteilung von Wohnstandorten und die dahinterstehenden Prozesse werden von der
Segregationsforschung untersucht.
Die Erscheinung der Segregation läßt sich in allen menschlichen Kulturen mit einem
Mindestmaß an gesellschaftlicher Differenzierung nachweisen. In den mittelalterlichen und
frühneuzeitlichen Städten Europas (vgl. Stadtentwicklung)
waren etwa die Viertel der Kaufleute deutlich von denen der Handwerker unterschieden. Beinahe
ebenso lange findet sich auch eine Segregation nach ethnischen und religiösen Merkmalen, wie
beim jüdischen Ghetto oder den noch kleinteiliger nach Religions- und
Volksgruppenzugehörigkeit getrennten Vierteln der klassischen
orientalischen Stadt.
Diese historische Trennung setzt sich bis zu den heutigen Vierteln mit fast ausschließlich
schwarzer Bevölkerung in nordamerikanischen Städten bzw. Stadtteilen mit hohen Anteilen
eingewanderter (ehemaliger) Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum in Deutschland und Frankreich fort.
Segregation (lat. segregatio: Absonderung, Trennung) ist sowohl als Prozeß als auch als (statisches) Merkmal zu verstehen. Während das Merkmal "Segregation" eine bezogen auf den Raum ungleichmäßige Verteilung von Bevölkerungsgruppen meint, wobei sowohl ein einzelnes als auch mehrere segregierende Merkmale für die Verteilung eine Rolle spielen können, beschreibt "Segregation" als Prozeß den Vorgang und die Stadien der Entmischung von Bevölkerungsgruppen und das Entstehen mehr oder weniger homogener Nachbarschaften, die zum Teil mit dem Vorhandensein von natural areas ("natürlich" begrenzten Teilräumen, siehe Chicagoer Schule) korrelieren.
Das Resultat einer starken Segregation ist die Ausbildung charakteristischer Stadtviertel, deren typische Eigenschaften als "Image" allgemein bekannt sind. Als Beispiel seien hier stellvertretend genannt:
Die Aufzählung von genau diesen Stadtteilen (mit entweder positivem oder negativem Image)
weist bereits darauf hin, daß offenbar zwei grundverschiedene Prozesse der Viertelsbildung
unterschieden werden müssen: Die freiwillig angestrebte (aktive) und die durch Diskriminierung
oder andere Restriktionen erzwungene (passive) Absonderung.
Verschiedene Formen der residentiellen Segregation (der S. nach dem Wohnort) mit
unterschiedlichen räumlichen Ausprägungen, die sich jeweils überlagern
können, werden unterschieden:
Die Segregation nach dem sozialen und ethnischen Status hat dabei die größte Bedeutung und Raumwirksamkeit. Das Ausmaß der Segregation kann umgekehrt auch als Indikator für die gesellschaftliche Integration oder Isolation einer sozialen Gruppe angesehen werden. Eine aktuelle Untersuchung von Bevölkerungsentmischung oder -konzentration setzt zum einen die Festlegung eines Untersuchungsgebietes und zum anderen das Vorhandensein von Teilräumen (z.B. statistische Gebiete, Bezirke, Stadtviertel, Baublöcke) voraus, die in ihrer jeweiligen Ausprägung im Vergleich zum Gesamtsystem (z.B. Stadt, Bundesland) untersucht werden können. Drei Konzepte für die Messung von Segregation lassen sich dabei unterscheiden:
Lorenz-Kurve beruhen,
In menschlichen Siedlungen kann ab einer bestimmten Größe und inneren Differenzierung
meist eine m.o.w. schnelle Entmischung oder räumliche Konzentration von
Bevölkerungsgruppen beobachtet werden. Diese mit Arbeitsteilung und Funktionsentmischung
auftretende Herausbildung unterschiedlicher Gruppen innerhalb der Einwohnerschaft ist gerade ein
Charakteristikum städtischer Siedlungen.
Die Entmischung kann entweder durch bestehende Strukturen induziert werden (z.B. Wohnungsbestand,
Repräsentationsgebäude...) oder schafft eigene Strukturen (Wohnungsneubau,
Geschäfte, Kommunikationsnetze...).
Für die Wohnstandortwahl von Personen oder Personengruppen ist u.a. das verfügbare
Einkommen, der Informationsstand über den lokalen Wohnungsmarkt, das Bestehen/Fehlen von
Zugangsrestriktionen und die Bereitschaft zur teilweisen oder völligen Veränderung des
persönlichen Aktionsraumes von Bedeutung.
Von der sozialökologischen Forschung der Chicagoer
Schule wurden zur Beschreibung der Stadien und Prozesse zwei Begriffe geprägt, die auf
Analogien aus der Biologie zurückgreifen: Invasion und Sukzession .
Folgende Erklärungsansätze lassen sich postulieren:
Im zeitlichen Verlauf treten also im Stadium der Invasion an einem Wohnstandort
zunächst einzelne Mitglieder einer Bevölkerungsgruppe (neu) auf (z.B. eine
Immigrantengruppe), die dann z.B. mit Hilfe eigener Kommunikationsstrukturen, spezifischer
Infrastrukturangebote und mitunter der Schaffung eigener Zugangsrestriktionen zum Wohnungsteilmarkt
eine Erhöhung des Anteils der eigenen Gruppe an der Wohnbevölkerung (vgl. 4.)
hervorruft und im Stadium der Sukzession entweder die ansässige Bevölkerung
verdrängt (z.B. durch Gentrification), oder - wenn es sich bei den Invasoren um eine
statusniedrigere Gruppe handelt - die Abwanderung der bisher ansässigen Bevölkerung
induziert. Bei dem Invasions-Sukzessionszyklus (es können mehrere Stadien aufeinanderfolgen)
gibt es einen empirisch belegten »tipping-point«, ab dem die - durch die ortsanwesende
Bevölkerung zunächst begrenzte oder behinderte - Invasionsphase in die Sukzessionsphase
mit der relativen Dominanz der Zuziehenden übergeht (vgl. Ringmodell von Burgess).
Der ausschließlich auf sozialer Distanz, Vorurteil und Diskriminierung beruhende
Erklärungsansatz wird ergänzt durch einen ökologischen
Erklärungsansatz, der aus der unterschiedlichen Topologie, Nutzungsart, Wohn- bzw.
Wohnumfeldqualität einzelner städtischer Raumeinheiten, über die unterschiedliche
Bewertung z.B. in Form von Bodenpreisen und Mieten einen Zusammenhang mit der Bewohnerschaft
herleitet. Viertel mit guter Qualität erfahren dabei die größte Nachfrage und
werden in der Regel durch statushohe Gruppen besetzt, statusniedrigere Gruppen in schlechter
ausgestattete Viertel verdrängt.
Bei der Beschreibung der Segregation verschiedener Bevölkerungsgruppen wird zugleich eine Zuweisung des Grades der Ungleichverteilung vorgenommen, d.h. eine Gruppe, die sich stark von anderen unterscheidet, wird auch einem besonders scharf abgegrenzten Raum zugeordnet.
Zur Darstellung räumlicher Ungleichheit gibt es verschiedene
Maßzahlen. Verbreitet sind der
Dissimilaritäts- und der Segregationsindex. Ersterer dient dem Vergleich der Verteilung
von zwei Bevölkerungs(teil)gruppen, während der Segregationsindex die Verteilung
einer Bevölkerungsgruppe im Bezug auf die Gesamtbevölkerung mißt. Beide
Indikatoren können Werte zwischen 0 (Gleichverteilung) und 100 (maximale Segregation)
annehmen.
Für die Berechnung des Dissimilaritätsindex der Bevölkerungsgruppen A und B wird
für jede Raumeinheit die Differenz zwischen dem Anteil der Gruppe A an der Gesamtheit von A
und dem Anteil von B an der Gesamtheit von B gebildet. Die Beträge dieser Differenzen
ergeben
über alle Raumeinheiten aufsummiert und dann halbiert den Dissimilaritätsindex
(ID) zwischen A und B.
| n | ||||||
| ID | = | ½ × | ![]() |
![]() |
ai - bi | ![]() |
| i=1 | ||||||
| n | ||||||
| IS | = | ½ × | ![]() |
![]() |
ai - gi | ![]() |
| i=1 | ||||||
| mit gi = Bevölkerungi - ai | ||||||
Beide Indikatorwerte lassen sich als der Prozentwert an den betrachteten Gruppen interpretieren, der umziehen müßte, um eine Gleichverteilung zu erzielen. Hier einige Dissimilaritätsindices für ausländische Nationalitäten in Frankfurt am Main (45 Ortsteile, 1995):
| ID | IS | ||||||
| Nationalität | Italien | Frankreich | Türkei | Schweiz | Japan | Marokko | |
| Italien | - | 27,69 | 12,68 | 36,07 | 46,43 | 19,65 | 14,39 |
| Frankreich | - | 28,72 | 16,97 | 37,53 | 36,89 | 22,64 | |
| Türkei | - | 38,48 | 49,80 | 14,55 | 16,84 | ||
| Schweiz | - | 50,00 | 45,90 | 29,14 | |||
| Japan | - | 50,41 | 55,82 | ||||
| Marokko | - | 20,95 | |||||
|
QUELLE: FREUND, B. (1997)
"Staatsbürger aus entwickelten marktwirtschaftlichen Ländern in Frankfurt am Main
und Umgebung", In: frankfurter statistische berichte 1/97, S7-22 |
|||||||
In Frankfurt sind die Japaner von allen Nationalitäten am stärksten segregiert, gefolgt
von den Schweizern. Beide Gruppen treten jedoch zahlenmäßig weit hinter andere
Nationalitäten zurück, so daß allein hieraus ein höherer Segregationsgrad
herrühren könnte (vgl. FRIEDRICHS[5]:80).
Nun ist in deutschen Großstädten die Segregation nach dem ethnischen Status (siehe
unten) weniger stark ausgeprägt als in nordamerikanischen, wo die Werte
für den Segregationsindex der Schwarzen oder der Latinos zwischen 75 und 90 liegen können
(THIEME 1993 in [2]:263). Auch die Werte für die Segregation nach dem
sozialen Status liegen in deutschen Städten unter den amerikanischen
Werten. Dies mag zum Teil an nicht direkt vergleichbaren Merkmalen zur Definition des sozialen
Status liegen, ist aber zum überwiegenden Teil anderen Faktoren geschuldet
(Gesellschaftssystem, Wohnungsmarkt, Bildungssystem etc).
Faktorialökologische Untersuchungen haben gezeigt, daß sich die räumliche Segregation der Bevölkerung vor allem mit drei Merkmalskomplexen erklären läßt:
Jeder dieser Merkmalskomplexe definiert m.o.w. eindeutige Gruppen und Untergruppen wie z.B.
Wohlhabende - Arme, Professoren - Arbeiter, Rentner - junge Familien, Deutsche - Amerikaner,
Protestanten - Katholiken etc., die sich zum Teil voneinander abgrenzen und eigene Wohnquartiere
besetzen. Für West-Berlin lassen sich mit Hilfe von Daten der Volkszählung von 1987
z.B. folgende Werte auf der Ebene der 97 statistischen Gebiete ermitteln:

| Gruppe | IS |
| 4- und mehr- Personen-Haushalte | 10,19 |
| Rentner | 8,70 |
| Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen | 12,31 |
| Ausländer | 31,33 | Quelle: Eigene Berechnung |
Nun sind diese Merkmale nicht gleichzusetzen mit Statusmerkmalen, die sich nicht direkt messen
lassen. Um Aussagen über die Segregation nach einem der Statusmerkmale treffen zu können,
ist es zunächst erforderlich, die abstrakten Statusmerkmale aus vorhandenen Variablen zu
"bilden", die zur Beschreibung/Definition von Status beitragen können. Hierfür
wird das statistische Verfahren der Hauptkomponentenanalyse verwendet, das dazu dient, mehrere
Variablen (z.B. Beruf, Einkommen, Bildungsstand) auf ein abstraktes Merkmal (Hauptkomponente,
hier z.B. sozialer Status) zu bündeln. Mit den synthetischen Hauptkomponenten/Faktoren(daher
Faktorialökologie)/Statusmerkmalen werden dann Untersuchungen auf die räumliche Verteilung
vorgenommen.
Die räumliche Verteilung der nach den einzelnen Statusmerkmalen segregierten Gruppen
überlagern sich. Untersuchungen von MURDIE (1969) zeigten, daß sich in den Mustern der
Segregation nach den drei Statusmerkmalen Grundtypen städtischer Strukturen erkennen lassen,
die den unterschiedlichen Konzepten der Stadtstrukturmodelle der
Chicagoer Schule entsprechen.
Diese sozialräumlichen Grunddimensionen wurden für verschiedene Großstädte untersucht und die Aussagen Murdies bestätigt. Auch für (West)Berlin gibt es entsprechende Untersuchungen [1], die im folgenden mit aktuelleren Daten (Volkszählung 1987) dargestellt werden sollen. Folgende Faktoren ergaben sich bei einer Hauptkomponentenanalyse von VZ-Daten aus 1987 für die 97 statistischen Gebiete West-Berlins (vgl. [1]):
| Variable | Faktor 1 | Faktor 2 | Faktor 3 |
| Anteil Substandard-Wohnungen |
-0,31166 | 0,73548 | -0,05236 |
| Anteil Wohnungen unter 40m2 |
0,62264 | -0,30725 | 0,60876 |
| Anteil Wohnungen über 100m2 |
0,12303 | -0,17434 | 0,85904 |
| Frauenanteil | 0,15224 | -0,57450 | -0,54669 |
| Anteil Nicht-Deutsche |
-0,26216 | 0,90139 | -0,10771 |
| Anteil Bevölkerung unter 10 Jahre |
-0,11909 | 0,46478 | 0,63047 |
| Anteil Bevölkerung über 60 Jahre |
0,05823 | -0,66020 | -0,60628 |
| Anteil Personen mit Volks-/Hauptschulabschluß |
-0,96988 | 0,07519 | -0,01388 |
| Anteil Personen mit mittlerer Reife |
-0,10949 | -0,79137 | -0,14223 |
| Anteil Personen
mit Universitäts-/Fach- hochschulabschluß |
0,95980 | -0,14464 | -0,06486 |
| Anteil Personen mit Bezug von Arbeits- losen oder Sozialhilfe |
-0,17350 | 0,73360 | -0,25808 |
| Anteil Selbständige und mithelfende Familienangeh. |
0,95136 | 0,00081 | 0,06105 |
| Arbeiter/Fachar- beiteranteil |
-0,85154 | 0,47365 | -0,02509 |
| Anteil Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren |
0,04226 | -0,09342 | 0,90360 |
| Quelle: Statisches Landesamt Berlin, eigene Berechnung | |||
Das hier dargestellte Ladungsmuster der untersuchten Variablen stellt eine Korrelationsmnatrix
zwischen den Variablen und den extrahierten Faktoren dar. Die Ladungswerte können zwischen
-1 (stark negativer Zusammenhang) und +1 (stark positiver Zusammenhang) liegen. Die Verteilung
der Variablen-Ladungen auf die extrahierten Faktoren erlaubt eine Interpretation:
Faktor 1 repräsentiert den sozialen Status,
Faktor 2 den ethnischen Status und
Faktor 3 den Familienstatus.
| Vergleicht man nun die Raummuster der drei synthetischen Variablen (Faktoren) mit den zu erwartenden Verteilungen, zeigt sich, daß das Merkmal Sozialstatus recht gut einer auf den Innenstadtbereich zentrierten sektoralen Verteilung (vgl. HOYT) entspricht (statushohe Wohngebiete in Schöneberg, Steglitz, Zehlendorf, Reinickendorf), | ![]() |
| während das Merkmal Familienstatus in etwa eine ringförmige Struktur (BURGESS) zeigt, die grob geschätzt mit dem Baualter der Wohnsiedlungen korreliert, wobei im Falle West-Berlins die unmittelbar an der ehemaligen Mauer gelegenen (und damit in gewisser Weise ebenfalls peripheren) innerstädtischen Gebiete als Abweichung von der Regel ins Auge fallen. | ![]() |
| Das Merkmal Ethnischer Status hat dagegen keine typische Mehrkernestruktur (HARRIS/ULLMAN). Man kann allenfalls zwei Cluster erkennen: Den Innenstadtbereich (überwiegend türkische Nationalität) und den Bereich Dahlem/Zehlendorf (ehemalige Alliiertenstandorte). | ![]() |
Ein Vergleich dieser oder ähnlicher Strukturen aus mitteleuropäischen mit
nordamerikanischen Städten zeigt deutliche Unterschiede im Ausmaß der Segregation,
die sich sowohl in den räumlichen Strukturen als auch in der Höhe der Indexwerte
niederschlägt. Allein Raumbezeichnungen wie "schwarzes Ghetto", "little
sicily" und "china town" weisen auf eine stärkere Segregation hin.
Eine weitere Vergleichsmöglichkeit für mehrere Teilgruppen einer Gesellschaft ergibt sich
durch Segregationskurven. Hierbei werden die Segregationindices für einzelne Fraktionen
(z.B. Altersgruppen) bestimmt und gegenüber der summarischen Verteilung graphisch abgetragen.
Als ein Beispiel sei die Alterssegregation in West-Berlin 1987 angeführt. Die Altersklasse der
25-60jährigen ist am geringsten segregiert; ihr Anteil ist in allen statistischen Gebieten
annähernd gleich groß. Der charakteristische J-förmige Verlauf der
Segregationskurve läßt sich auch bei der Darstellung anderer Merkmale beobachten.
Segregation ist eine wichtige Einflußgröße für die Erklärung von
räumlichen Bevölkerungsbewegungen in einer Stadt sowie Prozessen des Stadtverfalls und
der Stadterneuerung. Die Art der Segregation und ihr Ausmaß sind an das vorhandene
gesellschaftspolitische System gebunden. So war z.B. die residentielle Segregation nach dem sozialen
Status in der ehemaligen DDR deutlich geringer ausgeprägt als in der alten Bundesrepublik
oder in den USA.
Angesichts der Tatsache, daß mit starker passiver (!) Segregation einzelner Gruppen
häufig erhöhte Kriminalitätsraten und beschleunigter Stadtverfall (durch
Desinvestition) einhergehen und mitunter das gesamtstädtische Image
leidet, wurden verschiedene Desegregationsstrategien entwickelt.
Vereinfacht ausgedrückt sollen hierbei stärkere soziale Kontrolle und eine ausgeprägtere
Gebietsbindung einer vorhandenen Bewohnerstruktur dafür sorgen, daß die negativen
Auswirkungen durch Entmischung begrenzt bleiben. Als Maßnahmen sind neben allgemeinen
Wohnumfeldverbesserungen, eine die Belange des Wohnungsmieters schützende Gesetzgebung
(Verhinderung oder Begrenzung von Gentrification), Mietsubventionen (z.B. Wohngeld), Öffnungsklauseln im
Sozialwohnungsbestand, verstärkte schulische Integration von fremdsprachlichen Minoritäten
und verschiedene Antidiskriminierungsinitiativen verbunden.
Neben dem Vorhandensein der erforderlichen Finanzmittel ist es für den Erfolg derartiger
Strategien jedoch unerläßlich, daß ein komplementärer gesamtgesellschaftlicher
Konsens zum Umgang mit Minderheiten vorhanden ist.
[cb]